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weitersagen

Die Idee

Fricto-Entwickler Tino Schlagintweit beschreibt den Werdegang des ungewöhnlichen Bausteins:

Die Idee zu FRICTO geht auf die so genannte Leonardobrücke zurück, ist also schon etwa 500 Jahre alt. Mir war sie allerdings bis vor kurzem unbekannt, obwohl ich mich beruflich schon öfter mit Leonardo da Vinci beschäftigt hatte.

Der berühmte Erfinder und Künstler hatte die Brücke für das Militär konstruiert. Darum musste sie transportabel und einfach aufzubauen sein. Leonardos genialer Kunstgriff bestand darin, dass er das Prinzip des Flechtens einfach auf starre Hölzer übertrug. Von seiner Idee existiert nur eine einzige Zeichung im Codex Atlanticus, einer Sammlung mit zahllosen Skizzen von Leonardos Erfindungen. Ob die Brücke seinerzeit gebaut wurde, ist nicht bekannt. Wohl aber findet sie jüngst immer mehr Aufmerksamkeit, vor allem in der Mathematik-Didaktik.

Erste Begegnung in den TU-Hallen

So stieß ich Ende 2006 in der Ausstellung ix-Quadrat an der TU-München erstmals auf eine Leonardobrücke. Sie bestand aus etwa 40 Zentimeter langen Latten und stand wie von Zauberhand gestützt mitten in der Unihalle – umringt von Kindern und Erwachsenen. Ziemlich beeindruckt fragte ich mich, wie viele Leute daran wohl getüftelt hatten – und war fast entsetzt, als jemand an die Brücke stieß und sie einstürzte.

Nach einigen eigenen Versuchen war aber klar: Hier braucht’s keine Zauberei, sondern nur Wissen und etwas Geschick. Ich erkundigte mich, wo man diese Bausteine bekommen könne. Nirgends! - so die verblüffende Antwort der Ausstellungsmacher. Sie hatten einfach verschiedene Latten aus dem Baumarkt zugeschnitten und zwecks besserer Haftung mit Selbstklebe-Velours bezogen.

Da stand mein Entschluss so gut wie fest, die neuartigen Bausteine zu perfektionieren und auf den Markt zu bringen.

Prototypen und Versuche

Der Gedanke an die Leonardobrücke ließ mich in den folgenden Monaten nicht los: Wie müsste ein Baustein beschaffen sein, der auch den rauen Alltag im Kinderzimmer übersteht? Lässt sich die Brücke nicht auch zu einem Rad erweitern? Welche Geometrie steckt dahinter? Was ermöglichen Verschränkung und Haftreibung jenseits der Leonardobrücke? Und nicht zuletzt: Wie werden „elegante” Konstruktionen möglich?Gemeinsam mit meinem Bruder testete ich unterschiedliche Trägermaterialien, Seitenverhältnisse und Beschichtungen. Als ideal erwies sich schließlich ein Bambuskern mit Kork-Auflage. Beim Experimentieren mit den Prototypen stieß ich auf ein weiteres wichtiges Bauprinzip. Erst die Verbindung von Leonardos Brücken-Idee mit dem Kartenhaus-Prinzip macht richtig “raumgreifende” Bauwerke möglich.


Tino Schlagintweit

 

 


brueckenskizze_210_trp
Leonardos Brückenskizze aus dem Codex Atlanticus (Kopie)

 

ix-quadrat_crash_20003
Ausstellung ix-quadrat der TU München: Einsturz einer fast fertigen Leonardobrücke

 

Prototyyp_rot
Erster Prototyp, ebenfalls Leisten mit Velours

 

prototyp2

Vorletzter Prototyp, Sperrholz mit Kork